Anna Prohaska

Nach prägendem Privatunterricht bei Eberhard Kloke in Interpretation, Klavier und Musiktheorie studierte Anna Prohaska Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei Norma Sharp, Brenda Mitchell und Wolfram Rieger. Bereits mit 18 Jahren debütierte sie an der Komischen Oper in Brittens The Turn of the Screw (Regie: Harry Kupfer), mit 20 Jahren war sie erstmalig an der Staatsoper Unter den Linden zu hören und mit 24 Jahren gab sie ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Bereits mit zahlreichen Preisen geehrt, erhielt Anna Prohaska 2016 den Kunstpreis Berlin. Neben ihrer internationalen Karriere ist sie der Berliner Staatsoper im Schiller Theater als Ensemblemitglied verbunden, wo sie durch ihr ungewöhnlich vielfältiges Repertoire auffällt, u. a. als Anne Trulove, Susanna, Sophie, Oscar, Blonde, Poppea in Händels Agrippina, Euridice in
Glucks Orfeo ed Euridice sowie in Uraufführungen von Jens Joneleit und Peter Ruzicka. Sie arbeitet dort mit bedeutenden Dirigenten wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Philippe Jordan, Gustavo Dudamel und René Jacobs zusammen.

Anna Prohaska ist regelmäßig zu Gast bei den Salzburger Festspielen und ist dort nach der Zerlina (Don Giovanni),Despina (Così fan tutte) und Deola in Luigi Nonos Al Gran Sole, Carico d’Amore, 2016 als Susanna in Le nozze di Figaro zu hören.

Auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper München war die Sopranistin als Blonde und Adele und bei den Münchner Opernfestspielen 2016 in Les Indes Galantes zu erleben. Weitere
Verpflichtungen waren unter anderem Zerlina an der Mailänder Scala, Constance in am Royal Opera House Covent Garden, Blonde in Die Entführung aus dem Serail an der Pariser Oper, Morgana in Alcina beim Festival d‘Aix-en-Provence, Sophie im Baden-Badener Rosenkavalier und Anne Trulove und Marzelline am Theater an der Wien. Regisseure, die ihre szenische Arbeit prägten, waren Katie Mitchell, Michael Thalheimer, Jossi Wieler/Sergio Morabito, Harry Kupfer, Willy Decker, Christoph Schlingensief, Robert Carsen und Claus Guth.

In der laufenden Saison ist sie als Iphis an der Oper Amsterdam in Händels Jephtha zu hören (Ivor Bolton/Claus Guth), erneut am Theater an der Wien in der Fairy Queen von Purcell, an ihrem Berliner Stammhaus als Pamina und Susanna sowie in Konzerten mit den Berliner Philharmonikern (in Ligetis Le Grand Macabre mit Simon Rattle, inszeniert von Peter Sellars), zweimal mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks (unter Herbert Blomstedt und Mariss Jansons), mit den Ensembles Violons du Roy in Québec und Montréal und bei den Osterfestpielen Salzburg unter Christian Thielemann. An der Alten Oper Frankfurt ist sie Fokus- Künstlerin wo man sie, u.a. in dem szenischen Liederabend „Hamlet und Ophelia“ mit dem Schauspieler Lars Eidinger erleben kann. Mit der ihr eigenen Leidenschaft widmet sich Anna Prohaska dem unerschöpflichen Repertoire
der Alten Musik. Immer wieder arbeitete sie mit Nikolaus Harnoncourt. Regelmäßig singt sie mit Concentus musicus, der Academy of Ancient Music, dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin und Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini. Sie ist genauso eine gesuchte Interpretin zeitgenössischer Musik. Großen Erfolg feierte sie als Inanna in Jörg Widmanns Babylon (ein Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper), sie war die Interpretin der Uraufführungen von Wolfgang Rihms Mnemosyne mit den Berliner
Philharmonikern und Samothrake mit dem Leipziger Gewandhausorchester, beides ihr gewidmet, von Giacomo Manzonis Il Rumore del Tempo mit Maurzio Pollini sowie Toshio Hosokawas Klage (nach Trakl) mit dem NHK Symphony Orchestra. Auf der Konzertbühne trat Anna Prohaska gemeinsam mit den Wiener und Berliner Philharmonikern auf, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem London Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Cleveland Orchestra und mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Dirigenten wie Simon Rattle, Daniel Harding, Mariss Jansons, Yannick Nézet-Séguin, Franz Welser-Möst, Bernard Labadie oder Claudio Abado. In den Jahren 2013-2015 war sie „Junge Wilde“ des Konzerthauses Dortmund, in der Spielzeit 2015/16 Residenzkünstlerin. Mit ihren thematischen Liederabenden wie „Glaube + Ekstase“, „Sirène“, „Ophelia Sings“ und „Behind the Lines“ ist sie regelmäßiger Gast in Schwarzenberg, Berlin, Wien, Frankfurt, London, Hamburg, Amsterdam und Luzern, wo sie mit Pianisten wie Eric Schneider, András Schiff und Daniel Barenboim zusammenarbeitet.

Ebenso großes Gewicht in Anna Prohaskas Kalender hat die Kammermusik, die sie in unterschiedlichsten Formationen aufführt. Jörg Widmann, Veronika Eberle, Daniel Barenboim,
Vilde Frang, Alisa Weilerstein und Isabelle Faust zählen hier zu ihren Partnern.

Im Dokumentarfilm “Die Fabelwelten der Anna Prohaska” (2013, Regie: Andreas Morell) zeigt Anna Prohaska ihre kreative Persönlichkeit in ihren bemerkenswert unkonventionellen
Musikvideos. In dem Kinofilm „The Casanova Variations“ (2014, Regie: Michael Sturminger) drehte sie an der Seite von John Malkovich. Ihre Diskographie umfasst Aufnahmen von der Entführung aus dem Serail mit Yannick Nézet-Séguin, Bergs Lulu-Suite mit den Wiener Philharmonikern unter Pierre Boulez sowie Mozarts Requiem mit dem Lucerne Festival
Orchestra unter Claudio Abbado. Nach ihren Soloalben Sirène und Enchanted Forest veröffentlichte die Deutsche Grammophon 2014 das Rezital Behind the Lines zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. Mit ihrem neuesten Album Serpent & Fire: Arias for Dido and Cleopatra (Juni 2016 bei alpha) mit Giardino Armonico und Giovanni Antonini.