Sándor Végh und seine Camerata

1952 – 2002

Camerata Academica des Mozarteums Salzburg, Camerata Academica Salzburg, Camerata Salzburg: das Orchester, dem diese Sammlung gewidmet ist, blickt nun zurück auf eine fünfzig jährige Geschichte. Wie in seinem Gründungsjahr 1952 ist die Heimat des Ensembles Salzburg, Mozarts Geburtsort und die Festspielstadt an der Salzach – Eigenschaften, die für das Wesen der Camerata heute noch genauso bedeutend sind wie am Anfang. Die Camerata Salzburg hat sich im Lauf ihres Bestehens und ihrer Arbeit zu einem der meistbeschäftigten Kammerorchester der Welt entwickelt. Jahr für Jahr führen Konzertreisen die Musiker in alle Teile der Welt; zu Festivals, in berühmte Konzertsäle oder zu Geheimtipps wie die Schubertiade in Schwarzenberg. Die Camerata Salzburg ist gefragt bei Veranstaltern und beliebt bei Solisten. Die Geigerin Anne Sophie Mutter, der Pianist Murray Perahia oder Cellist Heinrich Schiff versichern sich regelmäßig der Mitarbeit der Camerata-Musiker und planen Tourneen mit ihnen.

Musiker, Dirigenten, das Publikum: sie kennen und schätzen den besonderen Musiziergeist, der das Spiel der Camerata Salzburg beseelt: das Individualistische im Ganzen, das Bewusstsein und die Verantwortung fürs Ganze bei jedem Einzelnen. Diese Haltung der 36 Stamm-Musiker geht zurück auf den Gedanken, mit dem der Salzburger Dirigent und Pädagoge Bernhard Paumgartner in der Saison 1951/1952 eine Gruppe von Lehrern und Schülern der Salzburger Musikhochschule Mozarteum zusammenrief, um ein Orchester ganz nach seinen Vorstellungen zu formieren. Diese Sammlung ist nicht nur dem Stil und dem Spiel der Camerata Salzburg gewidmet, sondern, vor allem, ihrer Geschichte. Einer bewegten Geschichte voller herrlicher künstlerischer Höhenflüge ebenso wie die Existenz bedrohender Tiefen. Es waren die Vitalität und Überzeugung der Camerata-Musiker, ihre Phantasie, ihre Kraft zur Selbsterneuerung und Bereitschaft zu stetiger künstlerischer Neubestimmung, die sie durch diese fünfzig Jahre getragen und ihr Spiel ihrem Publikum bis zum heutigen Tag als begehrenswertes Hörerlebnis frisch gehalten hat.

Bernhard Paumgartner

Der 1887 geborene Dirigent und Musikwissenschaftler Bernhard Paumgartner war ein Musiker, der genaue Vorstellungen davon hatte, wie Musik klingen sollte. Nicht ein auftrumpfender Tutti-Klang war sein Ideal – der war in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ohnehin noch nicht die Regel – sondern ein prägnanter, den einzelnen Stimmen ihren Raum gebender Aufführungsstil. Obwohl er nach dem zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus dem Schweizer Exil regelmäßig das Mozarteum-Orchester Salzburg zu Hause und auf Tourneen dirigierte, konnte er mit diesem eher sinfonisch orientierten Orchester seine Vorhaben nicht genau in seinem Sinne verwirklichen. Paumgartner scharte im Herbst 1951 eine Gruppe von Lehrern und Studierenden der Hochschule Mozarteum um sich und motivierte sie, zusammen aber ebenso eigenverantwortlich zu musizieren. Den Namen entlehnte er von der Florentiner Camerata des späten 16. Jahrhunderts, in der sich gebildete Musikliebhaber zur gemeinsamen Ausübung ihrer Leidenschaft zusammengefunden hatten. Bildung und Leidenschaft, das erwartete Paumgartner auch von seinen Musikern. Die erste Probe ihres Könnens, das erste Konzert, gab die Camerata Academica des Mozarteums Salzburg, wie das neue Ensemble genannt wurde, am 9. April 1952 im Großen Saal des Mozarteums in Salzburg. Für Paumgartner, der von 1945 bis 1949 Direktor der Salzburger Forschungs- und Museums-Institution „Stiftung Mozarteum“ war, stand das Werk des genius loci naturgemäß im Vordergrund. Mit „seiner“ Camerata entwickelte er einen solistisch-vitalen, auf Transparenz gerichteten Aufführungsstil, der auch bald in den Programmen der Salzburger Festspiele Einzug hielt. Auf Paumgartners Initiative gehen die Mozart-Matineen der Salzburger Festspiele zurück. Dort führte er zunächst mit dem Mozarteum-Orchester, später mit der Camerata Academica, fast alle sinfonischen Werke Wolfgang Amadeus Mozarts auf. Teil dieser Programme war auch immer ein Solokonzert Mozarts, bei dem prominente Solisten mitwirkten.

Prominente wie etwa Clara Haskil. Die Grande Dame des Klavierspiels schloss sich schon 1952 der Camerata Academica an und reiste mit ihr zuerst in die Schweiz, dann nach Italien. Bis 1959 währte die Zusammenarbeit mit der bedeutenden Pianistin und brachte der Camerata, neben höchst erfolgreichen Auslandsreisen und Konzerten zu Hause, auch – 1957 – eine Begegnung mit dem Pianisten Geza Anda, die zu einem der bemerkenswertesten Projekte der Schallplattengeschichte führen sollte: der Gesamteinspielung aller Klavierkonzerte Mozarts ab 1962.

Davor aber lagen noch unzählige Konzerte daheim und unterwegs. Das Reisen war schon damals für die Camerata Academica und ihren Ruf wichtig, auch wollte man sie im Ausland hören. Nur waren die Strapazen einer Orchesterreise, die auch heute nicht gering sind, ungleich größer. Flüge gab es nur zu wenigen Zielen, und in der Regel waren sie zu teuer. Zugreisen waren wegen der sperrigen Instrumente zu kompliziert zu organisieren, also bot sich meist der Bus als beste Lösung an. Über lange Strecken konnten die Fahrten in den bei weitem noch nicht so komfortablen Bussen zur Tortur für Musiker wie Instrumente gleichermaßen werden.

Glücklicherweise gab es zu Hause genug zu tun. Ab 1954 war die Camerata Academica als ständiges Ensemble der Mozart-Matineen der Salzburger Festspiele engagiert. An der Hochschule Mozarteum fungierte sie als reguläres Orchesterseminar und erhielt dadurch ein besseres finanzielles Fundament. Auch das Reisen kam nicht zu kurz. Vor allem die Schweiz und Italien wurden immer wieder aufgesucht.

Langsam traten auch die Plattenfirmen auf dem Plan. Die Vinyl-Langspielplatte hatte sich durchgesetzt und einen großen Bedarf an Aufnahmen ausgelöst. Schon damals leisteten sich die Labels gerne exotische Projekte, um ihr Ansehen gegenüber der Konkurrenz sowohl auf der künstlerischen als auch der wissenschaftlichen Ebene zu erhöhen. Für das Mozart-Jahr 1956 hatte sich Philips eine Gesamtaufnahme der Werke Mozarts vorgenommen und für einige weniger bekannten Opern Mozarts Bernhard Paumgartner engagiert, der besonders in diesen Fragen als der führende Mozart-Experte seiner Zeit galt. Und Paumgartner musizierte natürlich mit seiner Camerata diese Ersteinspielungen von „La finta semplice“, „Zaide“ oder der Opera buffa „L’Oca del Cairo“ KV 430, und fügte gleich einige Sinfonien und Messen hinzu.

In diesem Jahr rief die Internationale Stiftung Mozarteum in Salzburg ein Festival ins Leben, das bis heute für alle Mozart-Freunde ein „Muss“ ist und auch der Camerata Salzburg ein wichtiges Forum bietet: die „Mozartwoche“, das Mozart-Fest im Wintermonat Januar. Dort wirkte die Camerata auch das erste Mal als Opernorchester: 1956 in der szenischen Aufführung der „Finta semplice“ im Landestheater in Salzburg. Und da es zu diesen Zeiten sogar noch möglich war, mit einer kompletten Opernaufführung auf Tournee zu gehen, reiste die Truppe und die Camerata mit „La Finta semplice“ den ganzen Frühling 1956 durch Europa.

Auf einer Tournee war es auch, wo die Camerata Academica einen neuen Stil ausprobierte, der für die künstlerische Arbeit des Ensembles gerade in jüngster Zeit wieder viel Bedeutung erlangt hat: für eine Deutschland-Tournee Anfang 1960 beschloss Geza Anda, das Orchester selbst vom Klavier aus zu leiten. Das war zu jenen Zeiten noch eine recht kühne Vorstellung und Orchesterchef Paumgartner sah darin einen Angriff auf seine Autorität. Aber der Erfolg der Konzerte gab Anda Recht und auch bei den Matinee-Konzerten der Salzburger Festspiele trat man in dieser Konstellation vor das Publikum. Die Zusammenarbeit mit Geza Anda entwickelte sich zu einer langanhaltenden und fruchtbaren Verbindung. Mit Konzerten, Tourneen und dem Aufnahmeprojekt der Mozart-Klavierkonzerte währte sie bis 1970. In dieser Zeit spielte die Camerata auch regelmäßig bei den Salzburger Festspielen und gab dort Konzerte mit Solisten wie Rita Streich, Edith Mathis, Helen Donath, Alfred Brendel oder Christoph Eschenbach.

Bereits 1960 gab es erste Überlegungen einen Nachfolger für den damals schon 73-jährigen Bernhard Paumgartner zu suchen. Aber es war erst Ende der sechziger Jahre, dass die Kräfte den Dirigenten so weit verlassen hatten, dass er sein Orchester nicht mehr leiten konnte. In dieser Phase der Neuorientierung arbeitete die Camerata Academica mit verschiedenen Dirigenten zusammen, auch, um sich genügend Zeit für die richtige Wahl eines neuen künstlerischen Leiters zu geben. Man wollte eine Person finden, mit der man wie mit Paumgartner langfristig und kontinuierlich arbeiten konnte. Aber nicht nur beim Dirigenten war ein Wechsel erforderlich geworden. Viele der Camerata-Musiker der ersten Stunde waren selbst schon in ein Alter gekommen, in dem sie es vorzogen, jüngeren Kollegen Platz zu machen. Für ein professionelles Orchester vom Rang der Camerata Academica Salzburg genügte es jedoch nicht mehr, die Stellen mit Lehrern und begabten Schülern nachzubesetzen. Das Ensemble geriet in eine Krise; die Musiker wechselten zu oft, die Qualität des Spiels hatte darunter zu leiden. Dazu kam noch, dass nach dem Tod Paumgartners im Jahr 1971 alle Engagements bei den Salzburger Festspielen aufgekündigt worden waren. „Paumgartners Mozartorchester wurde in die Wüste geschickt,“ hieß es in der Salzburger Presse – Geschäftsführung und Musiker mussten um das Überleben ihres Orchesters kämpfen.

Man fand jedoch Dirigenten, die durchaus bereit waren, auf längere Zeit mit der Camerata zusammen zu arbeiten. Schon 1971 wurde der Schweizer Urs Schneider zum Nachfolger Paumgartners berufen. Er blieb bis 1973. In diesem Jahr gab Dietrich Fischer Dieskau in Konzerten in Innsbruck, Salzburg und Linz bei der Camerata Academica sein Debüt als Dirigent. 1974 wurde der Cellist Antonio Janigro zum künstlerischen Leiter ernannt. Der international anerkannte Künstler verfügte über weltweite Kontakte und öffnete dem Ensemble die Türen zu neuen Auftrittsorten. Die Presse nahm die Impulse, die von dieser Zusammenarbeit ausgingen, zur Kenntnis und reagierte positiv. Die erste größere Krise seit der Gründung der Camerata Academica war überwunden und man gründete in Salzburg erstmals einen Camerata-Abonnementzyklus. Unter den Solisten dieser Abonnementkonzerte waren der Oboist Heinz Holliger, der Flötist Aurele Nicolet, der Geiger Wolfgang Schneiderhahn und ein Musiker, der später für die weitere Zukunft des Orchesters geradezu schicksalhaft bedeutsam werden sollte: Sándor Végh.

Sándor Végh in Finnland

Sándor Végh

Der 1912 im damals ungarischen Kolozsvár, dem heutigen Klausenburg in Rumänien, geborene Geiger Sándor Végh hatte sich vor allem als Kammermusiker einen Namen gemacht. Als Schüler von Hubay setzte er einerseits die traditionelle Linie von Joachim/Brahms fort, auf der anderen Seite war er als Schuler von Kodály und Bewunderer von Bartók der Moderne tief verbunden. In Budapest 1935 zunächst Gründungsmitglied des „Ungarischen Streichquartetts wurde er 1940 Lehrer an der Franz Liszt-Akademie und gründete sein eigenes Streichquartett. Das Végh-Quartett erlangte vor allem durch seine Beethoven- und Bartók-Interpretationen internationale Berühmtheit. 1946 verlegte das Ensemble seinen Sitz nach Basel. 1963 übernahm Végh eine Meisterklasse am Konservatorium in Düsseldorf, 1972 kam er als Professor für Geige an die Hochschule Mozarteum nach Salzburg.

Die Begegnung mit Végh als Solist in Konzerten seit 1976 hatte in den Musikern der Camerata tiefe Eindrücke hinterlassen. Sie spürten, dass seine Art zu spielen auch der ihren entsprach, dass er sie inspirierte und ihnen neue Perspektiven eröffnete. Als dann 1978 die Nachfolgeregelung für den durch Krankheit immer mehr geschwächten Antonio Janigro anstand, war den Camerata-Musikern klar: sie wollten Sándor Végh als neuen künstlerischen Leiter. Und sie bekamen Végh.

In den neunziger Jahren waren die Abonnements-Konzerte der Camerata Academica unter Sándor Végh die wichtigsten Konzertereignisse in Salzburg außerhalb der Festspielzeiten. Man konzentrierte sich im Konzert auf die symphonischen Werke von Mozart, Haydn und Schubert. Aber dabei allein sollte es nicht bleiben: in Salzburg lockte die Oper. Die Internationale Stiftung Mozarteum und die Salzburger Festspiele, nunmehr unter der künstlerischen Leitung von Gerard Mortier und Hans Landesmann engagierten 1993  die Camerata Academica als Opernorchester bei ihrer Koproduktion von Mozarts „Lucio Silla“ unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling und in der Regie von Peter Mussbach. In den folgenden Jahren machte die Camerata durch weitere Opernmitwirkungen auch ohne Sándor Végh auf sich aufmerksam. Unter verschiedenen Dirigenten wurden Festspielproduktionen wie La Clemenza di Tito, The Rake’s Progress, Ombra Felice und  Figaros Hochzeit (im letzten Jahr der Intendanz Mortier, 2001) entscheidend vom Klang der Camerata geprägt.

Eine schrittweise Ablösung von der Überfigur Sándor Végh war wichtig für die Musiker: ab 1995 forderte das hohe Alter seinen Tribut. Und obwohl Véghs künstlerische Kraft nicht erlahmte, fiel es ihm doch sichtlich immer schwerer, aufs Podium zu kommen. Er musste Tourneen absagen, wie etwa 1996 eine Reise nach Griechenland, deren Leitung dann der Geiger Leonidas Kavakos übernahm. Im September 1996 dirigierte der greise Mentor in „seinem“ Wiener Zyklus erstmals in seinem Leben die Eroica. Die Proben zum Trauermarsch wurden für seine Musiker zum Klang seines eigenen Abgangs.

Sándor Végh starb, 85jaehrig, am 7. Januar 1997. Obwohl dies nicht unerwartet kam, hinterließ es sowohl die Camerata als auch das Publikum im Zustand eines Schocks. Véghs spezieller, immer herausfordernder und inspirierender Stil war all den Menschen, die irgendwie mit der Camerata zu tun hatten, nicht nur zur zweiten, sondern zur Natur überhaupt geworden. Eine Zeit lang war es unvorstellbar, ohne diesen Stil existieren zu können. Es war die völlige Identifizierung mit Véghs Musizieren, das die Camerata jetzt in eine Krise brachte. Zunächst leitete Alexander Janiczek, damals Konzertmeister und zu Zeiten Véghs auch stellvertretender künstlerischer Leiter des Ensembles, die Konzerte. Aber es war allen klar, dass für die weitere erfolgreiche Zukunft wieder ein Chefdirigent von ganz eigenem Profil und internationalem Ansehen gefunden werden musste. Da trat Sir Roger Norrington auf den Plan.

Sir Roger Norrington

Sir Roger Norrington

In der Mozartwoche 1997 spielte die Camerata unter seiner Leitung in der Produktion der Mozart-Oper Mitridate, Re di Ponto. Norrington, ein Mann der ersten Stunde der historischen Aufführungspraxis und erfahren im Umgang mit Orchestern der verschiedensten Art, brachte genau das Maß an künstlerischem Profil mit, das sich die Camerata für ihre weitere Arbeit wünschte. Im Mai desselben Jahres erklärte sich Norrington bereit, die Position des Chefdirigenten der Camerata Academica Salzburg ab September 1998 zu übernehmen.

Die Verbindung zu Sir Roger brachte in das Bewusstsein der Musiker jene Stabilität, die sie in diesem Moment am dringendsten brauchten. Obwohl Sir Roger nur für vier bis fünf Termine im Jahr zur Verfügung stand — gerade zu jener Zeit wurde er auch Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters in Stuttgart — gab er der Camerata einen prominenten Namen und einen prägenden Stil mit, auf den auch für das Publikum Verlass war. Die Salzburger Festspiele gaben der Camerata und Norrington einen eigenen Zyklus, in dem Norrington interessante Kombinationen von Komponisten „ausprobieren“ konnte — Beethoven und Bartok, Schubert und Schoenberg. Das einst für Sándor Végh ins Leben gerufene Festival „Begegnung“ im Mai in Salzburg gestaltete Norrington um zu intensiven dreitägigen Begegnungen mit ausgewählten Komponisten wie Schumann, Schubert, Brahms und Mendelssohn — und natürlich seinem spezifischen, an der historischen Aufführungspraxis geschulten Stil des Musizierens.

Mit Norrington kamen auch junge Solisten wie etwa der Geiger Joshua Bell zur Camerata. Gleichzeitig intensivierte man die Zusammenarbeit mit Solisten, die ihr Orchester von ihrem Instrument aus selbst leiten wollten. Mitsuko Uchida, Murray Perahia, Heinrich Schiff nahmen diese, bei der Camerata ja schon von Geza Anda dereinst initiierte Praxis wieder auf. Beim Beethovenfest in Bonn spielte man mit Olli Mustonen alle Klavierkonzerte Beethovens ohne Dirigenten, Thomas Zehetmair führte das Schumannsche Violinkonzert von der Geige aus und mit Anne Sophie Mutter als leitenden Solistin ging das Ensemble gleich mehrmals auf Tournee.

Leonidas Kavakos

Leonidas Kavakos

Der Geiger Leonidas Kavakos war als Solist bereits unter Végh aufgetreten und begeisterte diesen, weil sie beide das Urtümliche mit der Verfeinerung verbinden. So ist es folgerichtig, dass Kavakos als „Principal Guest Artist“ im Jahr 2000 beauftragt wurde, die alten Spuren wieder aufzunehmen, wozu er das „vergrößerte Streichquartett“ nach Bedarf als Konzertmeister, Solist oder Dirigent leitet.

Fünfzig Jahre Camerata Salzburg. Diese Zeit hat das Orchester nicht von Tiefen verschont und ihm viele Höhepunkte beschert. Erhalten hat sich die von Bernhard Paumgartner ihm mitgegebene und von anderen Musikerpersönlichkeiten immer wieder erneuerte Kraft, seinen Weg durch die Individualität jedes einzelnen Musikers und damit zu stetiger künstlerischer Erneuerung zu finden. Das wird die Camerata fit halten für eine Zukunft mit vielen künstlerischen Abenteuern.